Drachenbootfestival in Schwerin

Drachenbootfestival in Schwerin

 

Von 2001 bis 2007 haben wir das Rahmenprogramm des Drachenbootfestivals durch mehrere asiatische Kampfsportshows mit gestaltet.

 

 

Drachenboot Geschichte – Selbstmörder stand Pate

 

Drachenbootrennen wird immer populärer, doch kaum einer denkt daran, dass eine Verzweiflungstat Pate bei der Erfindung dieses sportlichen Wettstreites stand.
Schuld am Ganzen ist – wenn man so will – der chinesische Dichter Ch’u Yuan, der vor 300 Jahren im Reich der Mitte lebte.
Als angesehener Poet hatte er Gehör beim Kaiser – wenn auch nicht immer. So ließ ihn sein Glück mal wieder im Stich, als er dem Herrscher eine Landreform vorschlug.
Der Kaiser wollte lieber Ruhe im Land, statt satte Untertanen und lehnte kurzerhand die revolutionäre Idee seines Hofdichters ab.
Der Musenschmied gab sich nicht zufrieden und kleidete seine Anregungen in hymnische Gesänge. Die gingen wohl dem Herrscher recht bald auf den Geist, kurzerhand entzog er dem Barden die Gnade und verbannte ihn in den tiefsten Süden, in die Provinzstadt Huan.
Da sagten sich offensichtlich Fuchs und Hase gute Nacht, so dass der Reimeschmied am fünften Tag des fünften Monats das Handtuch warf. Unbeeindruckt von der damit verbundenen Gewässerverunreinigung stürzte er sich in die Fluten – nicht ohne jedoch für eine erkleckliche Zahl von Zuschauern zu sorgen. Nichts ist schließlich so schön wie ein effektvoller Tod vor Besorgnis heuchelnden Spannern.
So wollte es der reine Zufall, dass die Schaulustigen gerade mal mit gut besetzten und sehr schnellen Booten bewaffnet waren. Die wollten eben mal Held spielen (wer weiß, wozu eine gerettete Hofschranze noch gut sein kann) und paddelten wie die Verrückten auf den langsam ertrinkenden Poeten zu.
Bei dem Versuch, die großen Fische mit dem Paddel zu verscheuchen, versetzten sie offensichtlich dem Künstler den Rest. Irgendwie dumm gelaufen. Und weil es offensichtlich so viel Spaß gemacht hatte, wiederholten die sportlichen Provinzgrößen diese Gaudi alljährlich.
Langsam etablierte sich das Rennen und jede Gemeinde stellte ihr typisches Boot her – bemalt in den Farben der Ortschaft. Der höchste Beamte des Dorfes hatte die Ehrenpflicht, den Rennen beizuwohnen und anschließend dem Siegerteam Glück und Wohlergehen zu wünschen. So mahnt jedes Rennen die Regierenden zu umsichtiger und gerechter Herrschaft, für die der Dichter gestorben war.
Der Lerneffekt war jedoch nur von begrenzter Dauer. Etwa 600 n. Ch. ging mit einem Regenten die Eigenliebe durch: Er ließ sich auf einem riesigen Drachenboot von 1000 Paddlerinnen – weiblichen Hofschranzen jeden Alters, über den See kutschieren. So wollte er vom ursprünglichen Veranstaltungsgrund ablenken – vergeblich. Denn bis heute erfreuen sich Drachenbootrennen als Ausdruck populären Aufbegehrens in ganz Südostasien großer Beliebtheit. Auch wenn die Regierenden schon manche ideologische Klimmzüge unternehmen, um es als Bestätigung ihrer Macht zu interpretieren. Der weltweite Siegeszug der Drachenbootrennen erfolgte hingegen erst im 20. Jahrhundert. Das erste internationale Rennen fand 1976 in Hongkong statt. Das erste Rennen in Europa wurde 1980 im Mutterland der Kronkolonie, in England abgehalten. In Deutschland wird seit 5 Jahren der ostasiatischen Sportart gefrönt, Schwerin war als eine der ersten Städte dabei – mit wachsendem Erfolg. Die Kanu – Rennsportgemeinschaft Schwerin ist heute eine der erfolgreichsten Mannschaften zwischen Rhein und Oder.

Sifu Holger Neumeyer

 

Alle Logos und Bilder zum Drachenbootfestivals mit freundlicher Genehmigung der Firma Maxpress